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Expertenmeinung

Für die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten gelten in allen Disziplinen gewisse Regeln. Warum diese einzuhalten sind, ein Leitfaden regelmäßig überarbeitet werden muss und was genau Guttenbergs Verfehlung war, lesen Sie im Interview mit dem Experten Rainer Ribing und dem Medienwissenschaftler Matthias Karmasin.

Herr Mag. Ribing, Sie bringen seit mehr als 10 Jahren das Buch „Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten“ heraus. Was ist neu an den Neuauflagen?

RIBING: Wir hatten von der ersten Auflage an nicht allein die Vorgaben des Wissenschaftsbetriebes im Auge, sondern - und ganz besonders - die Bedürfnisse der Studierenden. Durch das zahlreiche Feedback unserer Leserinnen und Leser, das wir laufend eingebaut haben, hat sich das Buch zu einem praktischen Ratgeber auf wissenschaftlicher Grundlage positioniert. Dazu kommt noch, dass die Tipps zur Arbeit in Textverarbeitungsprogrammen aufgrund der neuen Software-Versionen laufend adaptiert werden müssen und in den jeweiligen neuen Auflagen berücksichtigt werden.

Herr Prof. Karmasin, Sie beschreiben sehr konkrete Hilfestellungen wie korrekte Formulierungen bis hin zu Tastaturshortcuts ebenso wie Hilfen zur Themensuche. Sehen Sie in der Vereinheitlichung auch eine Uniformierung der wissenschaftlichen Arbeit? Kann das auch einschränkend sein?

KARMASIN: Eine wissenschaftliche Arbeit zeichnet sich durch eine gewisse Form aus, d.h. bestimmte Regeln, wie die korrekte Kennzeichnung fremder Gedanken, müssen respektiert werden. Eine gewisse Gleichmäßigkeit der Form bedeutet nicht, dass der Kontext nicht wesentlich ist. Entscheidend sind darum der Inhalt und die Form.

Spielt die Veränderung der Medienlandschaft hin zu Onlineangeboten wie Facebook, Wikipedia etc. eine wesentliche Rolle für die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten?

KARMASIN: Ja! Neue Formen wissenschaftlicher Quellen sind eine Herausforderung für korrektes wissenschaftliches Arbeiten. Es entstehen Grauzonen, wie z.B. korrekt zu zitieren ist. Ich unterscheide 3 Klassen dieser ‚neuen‘ Quellen: E-Journale, die wie gedruckte Werke zu zitieren sind, Internetquellen, die wie Primärquellen (z.B. Interviews) zu behandeln sind, und sogenannte Wikis, die z.T. als nur halblegale Quellen eigentlich nur der Ausgangspunkt für eine Quellenrecherche darstellen sollen, keinesfalls aber deren Endpunkt sein sollten.

Warum findet sich in einem Buch zur Gestaltung von wissenschaftlichen Arbeiten ein Kapitel wie „Präsentation/Vortragen?“

RIBING: Präsentieren und Vortragen gehört nicht nur an den Hochschulen zu den notwendigen Fertigkeiten, die eigenen Inhalte und Argumente entsprechend zu vertreten und zu verdeutlichen. Auch im beruflichen Alltag sind Präsentieren und Vortragen tägliche Routinen geworden. Es muss ja nicht immer die Rede vor Publikum sein. Auch das Vortragen in einem Workshop oder eine Kurzpräsentation bei Meetings gehören dazu. Auch dafür soll unser Buch das Rüstzeug geben.

Glauben Sie, ein Fall wie die Plagiatsaffäre Guttenberg lässt sich auf Zeitmangel oder Nachlässigkeit zurückführen?

KARMASIN: Nein. Im Falle von Guttenberg wurde die Betrugsabsicht durch die Universität Bayreuth eindeutig festgestellt und von allen Gremien zu diesem Fall bestätigt. Das hat also nichts mit Schlamperei zu tun. Eine gute Seite an diesem Fall und an den in der Folge aufgedeckten Fällen in Österreich ist, dass sich das Bewusstsein zum Thema korrektes wissenschaftliches Arbeiten unter Studierenden und in der Öffentlichkeit in die Richtung geschärft hat, dass auf ein derartiges Vergehen ernsthafte Konsequenzen folgen bis hin zur Aberkennung verliehener Titel. Wenn man unsicher ist, muss man zu einem Leitfaden greifen!

Was liest ein Begutachter denn wirklich zuerst?

KARMASIN: Das Inhaltsverzeichnis und die Literaturliste.
Daran lässt sich sofort erkennen, ob der Stoff sinnvoll gegliedert ist, korrekt zitiert wird  und ob der Autor sich einen Überblick über aktuelle Werke verschafft hat. Das ist zwar nur ein Anhaltspunkt, aber der ist meist aussagekräftig.

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Matthias Karmasin, Univ.-Prof. DDr., lehrt  Kommunikationswissenschaft an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.

 










Rainer Ribing, Mag., ist Abteilungsleiter in der Bundeswirtschaftskammer (WKO) und lehrt an der Fachhochschule Wien.

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